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Mary Coughlan
Bio
Photos
Als älteste von fünf Kindern wird Mary Coughlan 1956 in Galway geboren, als junger Teenager schmeißt sie die Klosterschule und bekommt erste Drogen- und Alkoholprobleme. Depressionen und ein Selbstmordversuch folgen mit 17. Nach Krankenhausaufenthalten und einem Schulabschluß erst nach mehreren Anläufen verläßt sie ihr Elternhaus. Sie hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. 1974 folgt ein Umzug nach England und mit 20 das erste Kind. Bis 1981 bekommt sie noch zwei weitere Kinder und verläßt kurz darauf mit allen drei Sprößlingen ihren Mann, um nach Galway zurückzukehren. Dort trifft sie den durch die Gruppe Flairck bekannten niederländischen Musiker und Produzenten Erik Visser und wird als Sängerin entdeckt. Ihr Debutalbum TIRED AND EMOTIONAL verkauft im Nu 100.000 Exemplare.

Es folgt die Episode der von geldgierigen Managern über den Tisch gezogenen Künstlerin. Nach einigen Jahren des Erfolgs verliert Mary Coughlan bald Haus, Auto und Plattenvertrag und wird in der Folgezeit zu einer Alkoholikerin. Im Alter von 29 beginnt sie mit dem Trinken und bringt es in dieser "Laufbahn" auf mehr als dreißig Klinkaufenthalte. In der Rückschau führt sie ihren Absturz auf das eigene Unvermögen zurück, mit dem Erfolg im Musikbusiness zurecht zu kommen. Ihre Wut darüber entbindet sie allerdings nicht von der Pflicht zur Verantwortung. Doch die zu übernehmen, ist ihr im Angesicht eines eskalierenden Alkoholismus unmöglich. Die Abwärtsspirale dreht sich immer weiter — trotz einiger Erfolge als Schauspielerin — und das öffentliche Interesse an ihren Platten läßt nach. Bis zum Wendepunkt im Jahre 1993.

Mary Coughlan beginnt in diesem Jahr endlich eine Entziehungskur und auch eine neue Partnerschaft. Sie bekommt zwei weitere Kinder und veröffentlicht 1997 mit AFTER THE FALL das Album, welches ihr Comeback einleitet. Die Beteiligung am Mega-Erfolg der irischen CD-Reihe "A Woman’s Heart" sorgt dafür, daß ihr Name auch in den dunkelsten Phasen ihrer Karriere nicht komplett in Vergessenheit gerät. Doch sie selbst kann mit der etwas selbstmitleidigen Haltung, mit der das Projekt vom vorwiegend weiblichen Publikum in Irland rezipiert wird, nichts anfangen. Mary Coughlan lehnt die Rolle des leidenden Opfers entschieden ab.

RÜCKKEHR UND ZWEITER ERFOLG:

Mary Coughlan kehrt zurück als Überlebende — ihre öffentlichen politischen Äußerungen speziell über Abtreibung und die Rolle der Frau in der irischen Gesellschaft sind weiterhin geprägt von brutaler Ehrlichkeit und abgrundtiefer Kritik an der Doppelmoral der katholischen Kirche. Für AFTER THE FALL schreiben einige der besten jüngeren Songwriter des Landes ihr exklusiv neues Songmaterial. Ihr jazzig-bluesiges Timbre ist immer noch intakt und das Album wird zu einer kreativen Katharsis der bekennend-autobiographischen Art. Scheidung, Alkoholismus, Mißbrauch, Selbstverachtung und Erlösung — alles findet einen Platz in ihrem neuen Repertoire.

Im neuen Jahrtausend holt Mary Coughlan dann zu einem Großprojekt aus, mit dem sie sich einen Traum erfüllt. Mit der Show "Lady Sings The Blues" erarbeitet sie sich eine Hommage an die große Billie Holiday und bringt diese als Multimedia-Show in Dublin und London auf die Bühne. Sie lässt sich Kleider im Stil der vierziger Jahre schneidern und spricht im Vorfeld lakonisch davon, dass sie sich für diese Shows einfach das Haar hochmache, die Kontaktlinsen einlege und eines ihrer eleganten Kleider anzöge. Wenn dann alles schief ginge, könne sich das Publikum zumindest noch an die Kleider erinnern. Mary Coughlan hat also Humor — und das reichlich. Die Show "Lady Sings The Blues" wird zu einem großen Erfolg.

Doch ein Comeback im eigentlichen Sinne ist es nicht, denn die Coughlan hat auch in ihren dunkelsten Tagen nie wirklich aufgehört zu singen. Insofern entspricht sie sogar dem Klischee der singenden irischen Hausfrau — umgeben von einer großen Kinderschar, immer von Musik erfüllt, egal wie lang der Schatten der jeweiligen emotionalen Schräglage auch sein mag. Doch im Falle von Mary Coughlan ist wohl doch alles etwas anders...

Nun jedenfalls kommt die neue CD RED BLUES — und die bange Frage wiederholt sich: Ist die Coughlan noch die alte oder ist sie nach dem langen Kampf gegen ihre Dämonen müde geworden? Ein klares "Ja" ist die Antwort der ersten Teilfrage, ein ebenso deutliches "Nein" gilt für Teil zwei.