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"Taj Mahal & The Hula Blues" - 2013

Es war aus heutiger Sicht ein langer und ein arbeitsreicher Weg für Amerikas wohl bedeutendsten Experten für Blues/World/Roots-Fusionen. Dieser Weg hat Taj Mahal an musikalische und geographische Orte geführt, an die er vielleicht selbst gar nicht dachte zu Beginn, damals in den Sechzigern. Oder war es von Anfang an seine Vision? So vieles von der späteren Mahal-Musik basiert ja auf dem, was er in seiner Familie und in den prägenden Wurzeln seines familiären Umfelds erfuhr, all den weit zurückführenden Inspirationen und inneren Orten, von denen Außenstehende nicht viel kennen. Mahal spricht in diesem Zusammenhang von „spirit“ und von „ancestry“ (Abstammung/Herkunft) – vom kulturellen Konzept des „mo‘ roots“. Es ist das feste Fundament, auf dem er als Künstler steht .
Hawaii und die hawaiianische Musik zählt dazu. Für Mahal ein einzigartiger Ort, der seine Seele nährt. Ein altes Königreich voller kultureller Reichtümer und einer großen eigenen Musiktradition. Die kulturelle Sphäre Polynesiens war schon früh vorhanden in Mahals Vorstellung von einem beseelten Universum der Musik, doch er brauchte lange, um selbst dort anzukommen und etwas von der musikalischen Magie der Inseln einzufangen. Auf diesem wunderbaren Album fing es an. Die Dinge wurden wahr und wurden „pono“.
Es gibt viele Facetten und Begrifflichkeiten der Kultur des „aloha state“, doch wenn es um die Wahrhaftigkeit und den emotionalen Wert dieser Kultur geht, gibt es keinen anderen Begriff, der das Gute so trefflich beschreibt wie „pono“. Ein hawaiianischer Ausdruck – eigentlich „Rechtschaffenheit“ - der all das umfasst, was als bedeutsam identifiziert wird. „Pono“ hat mehr als nur eine Bedeutung, doch im allgemeinen Sprachgebrauch ist das Wort ausschließlich positiv besetzt - komplex und einfach zur gleichen Zeit: „Du entspannst dich und trägst positives bei, indem Du einfach echt bist,“ sagt Mahal, „Du denkst nicht darüber nach, du musst es fühlen.“ Die Musik auf „Hula Blues“ ist auch für einen Hörer der perfekte Ort, um damit anzufangen.
Taj Mahals Hula Blues Band – das war und ist eine Art musikalischer Bruderschaft. Eine Familie, die dem hawaiianischen Ideal „ohana“ entspricht. Großherzig und mit einer Verbindung untereinander. Eine persönliche Beziehung, die mit Worten nur unzulänglich beschrieben werden kann. Taj Mahal erinnert sich: „Unser Toningenieur John Gilleran baute damals das Studio in seinem Haus. Es wurde gleichzeitig renoviert und die Musiker spielten meist in einem Halbkreis. Bläser, Holzbläser, Gesang und andere Overdubs wurden behelfsmäßig in einer Art Kammer und in der Toilette aufgenommen, damit man voneinander isolierte Klangquellen hatte. Die Session war so wie die Band – wir waren Freunde, alle unterschiedlich, aber wir liebten es, diese tolle Musik gemeinsam zu spielen. Das Ding war aber auch, dass die Band nie vorher wusste, was ich ihnen vorschlagen würde zu spielen. Ich demonstrierte einen Song in der Regel auf der Gitarre, wir einigten uns dann auf die Tonarten, Akkorde, Breaks, Tempowechsel und die Songstruktur. Dann gab es eine kleine Probe und mit ein wenig Magie im Raum haben wir es sofort aufgenommen. Wir behielten nur die guten Sachen und das war immer meine Entscheidung. Wir hatten viel Spaß bei diesen Aufnahmen.“
Ziemlich „pono“ also. Ein Zauber, der sich bis heute vermittelt und der beim Künstler nachwirkt. Obwohl Mahal ja nicht mehr selbst auf den Inseln lebt, wie viele Jahre lang, ist seine Verbindung immer noch stark und er bemüht sich, mehrere Male im Jahr die Zeit zu finden, seine Freunde zu sehen und in Kontakt zu treten. Ganz ohne Stress, versteht sich: „ Sanft miteinander umzugehen auch als Musiker gehört zu den ganz natürlichen Eigenschaften in der hawaiianischen Musik. Das versucht man zu erreichen als Musiker von einer pazifischen Insel. Die soziale Verbindung der Musik zu den Menschen und der Gesellschaft ist immer noch stabil und unverändert seit dem Wiederaufleben der Musik in den Sechzigern. Es gibt Platz für alle möglichen Stile, aber die Hawaiianer achten auch darauf, dass die Dinge weitergeben werden von Generation zu Generation und dabei ihren unverfälschten Charakter behalten.“
Dazu kommt das Konzept des “kanikapila” – ein weiteres Qualitätsmerkmal für Hawaiianer. Denn Sanftmut ist gefragt im Umgang miteinander – wie in einer guten Familie. Auch für Musiker soll es so sein (kani = Klang, pila = Saiteninstrument) . Man jammt und tritt dadurch miteinander in Kontakt. Das Ganze mit dem Ziel, die alte Verbindung der Musik zum Leben und zu den Menschen immer wieder neu herzustellen und als Qualität zu etablieren. Das Leben gleichzeitig zu feiern – und dabei ist immer Platz für noch eine Ukulele mehr…
Und während in der überdrehten westlichen Welt des 21. Jahrhunderts viele Menschen damit kämpfen, ihren Verstand nicht zu verlieren, kommt gleichzeitig die stärkste und bedeutsamste Musik gelegentlich aus Traditionen, die es geschafft haben, sich trotz verschwindend geringer Chancen gegen die imperialistische Vereinnahmung ihrer Kultur zu wehren und ihre Bedeutung damit zu wahren. Taj Mahal weiß nur zu gut, worum es dabei geht: „Die Hawaiianer haben eine alte Inselkultur, die es geschafft hat, sich in der modernen Welt zu entwickeln, indem sie viele Elemente anderer Kulturen entlehnte und sie aufnahm. So entstand etwas Einzigartiges – gleichzeitig hat man darum gekämpft, das Alte und das Eigene zu bewahren. Ich finde, es ist Ihnen gelungen. Sie sind auf einem guten Weg und haben eine glänzende Zukunft vor sich.“
Die immer noch großartige Musik auf diesem klassischen Taj Mahal-Album ist ein wichtiger Beitrag zu dieser großen kulturellen Leistung der Menschen von Hawaii. Sie ist robust und zart, unbeschwert und tiefgründig, stark und schön – ein Teil des ewigen Flusses, wie Mahal es ausdrückt. Ein kultureller Schatz, den auch der Rest der Welt würdigen sollte. Dazu das Geschenk eines großen Bluesmanns, der dankbar ist: „Für mich ist dieses Album ein Gefallen, den ich der Musik aus Hawaii in einer Art Gegenzug getan habe, denn diese Musik hat mich schon in meiner Kindheit tief berührt hat. Ich hatte das innere Bedürfnis, meine Dankbarkeit in dieser Form zum Ausdruck zu bringen. Indem ich mit hawaiianischen Musikern gespielt, aufgenommen und getourt habe. Menschen, die ich kannte und die meine Freunde waren. Und auch zu meiner Welt des Blues gibt es von diesem Ort viele sensible Verbindungen.
Taj Mahal & The Hula Blues Band – immer noch 100 % “pono”!