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T&M 037: 15.00 Euro
"John Martyn: On Air" - 2006


Der schottische Sänger, Gitarrist und Songwriter John Martyn ist ein Mann mit vielen Gesichtern und vielen Temperamenten. Seit vierzig Jahren gibt er Konzerte und er hat im Laufe dieser langen Zeit ein umfangreiches Platten-Werk geschaffen. John Martyn hat zwar etliche Höhen und Tiefen hinter sich, doch niemand anders klingt bis heute wie er. Besonders in einem guten Konzert von Martyn gibt es Momente von seltener Intensität. Das Konzert vom 17. September 1975 in Bremen war einer dieser Abende.

Es war das zweite Konzert des damals 27jährigen John Martyn in der BRD. Ende Juni 1975 hatte er ein kontroverses Live-Debut in Süddeutschland gegeben. Ein Abend in Freiburg, bei dem die konservativen Erwartungen des Folk-Publikums nicht mit der neuen Crossover-Richtung des Künstlers kompatibel waren. Als „England’s Folk-Gitarrist Nr. 1“ hatte man ihn angekündigt – doch nach Folk klang Martyn nur noch selten. Sein neuer Gitarrensound war geprägt von Effektgeräten wie dem Tape-Delay „Echoplex“ - bis heute sein Markenzeichen. Die deutsche Musikbibel „Sounds“ bezeichnete Martyn’s Deutschland-Debut damals als „Schlag ins Wasser“.

Anders in Bremen nur wenige Monate später. John Martyn – damals noch eine engelsgleiche Erscheinung mit lockigem Haupthaar – war bestens disponiert und in prächtiger Spiellaune. Einige Hundert Menschen hatten sich im historischen Bremer Rathaus eingefunden um ihn zu hören, denn die Musikszene in der Hansestadt war zu jener Zeit geprägt von Neugier und Offenheit. Man war hungrig nach neuer Musik und John Martyn gab dem Bremer Publikum in der Tat neue Musik an diesem Abend: Intensive Versionen heute klassischer Songs wie „Bless The Weather“ und „Solid Air“, dazu fulminante Blues-Interpretationen wie „Jelly Roll Baker“ und „I’d Rather Be The Devil“, letzteres im elektroakustischen „Echoplex“-Sound mit langen Gitarren-Exkursionen. Der Radio Bremen-Mitschnitt dieses historischen Konzertes schlummerte 30 Jahre in den Archiven und wird mit „On Air“ erstmalig veröffentlicht. Aus heutiger Sicht ist es ein Tondokument des Übergangs. Schon kurze Zeit später war John Martyn auf Jamaica, um dort mit Reggae-Produzent Lee Perry zu arbeiten. Bis in die Gegenwart hinein entwickelte er seine Musik beständig weiter. Gezeichnet von einem exzessiven Lebenswandel lebt Martyn heute zurückgezogen in Irland. Dort produziert er weiter Platten, ist jedoch nach einer Beinamputation nur noch sporadisch live zu erleben. Von seinen Fähigkeiten hat Martyn jedoch nichts eingebüßt. Sein künstlerischer und persönlicher Weg ist bis heute ein Weg der unmittelbaren Emotionalität geblieben, ein Grenzgang zwischen Höhenflug und Absturz. Von musikalischem Ausverkauf war John Martyn dabei mindestens so weit entfernt wie von den oberen Regionen der Pop-Charts. Die „On Air“-CD ist ein Schnappschuss, eine faszinierende Momentaufnahme. Sie präsentiert die Essenz der Musik eines großen Individualisten.