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"Run, Neil, Run" - 2005

Am 12. November2005 wird er sechzig Jahre alt – Neil Young. Eine der großen Künstlerpersönlichkeiten der Rockhistorie und über mittlerweile vier Jahrzehnte ein unermüdlich Kreativer. Oft ist Young nach schwächeren Alben abgeschrieben worden, immer wieder kehrte er zurück. Einer der faszinierendsten Songautoren unserer Zeit - bittersüß und dunkel, wütend und sehnsuchtsvoll, rebellisch und sanft. Als E-Gitarrist ist er durchaus auch dem Geist des Jazz verwandt, denn Young paart bewusst harsche Dissonanz mit würdevollem Stolz und er geht Risiken ein - wie nur wenige andere Rockstars seines Kalibers.

Den runden Geburtstag von Young hatten die kanadischen Musiker von Sisters Euclid zwar nicht im Hinterkopf, als sie ihre Neuinterpretationen einiger seiner großen Songs im November 2004 einspielten. Doch das Ergebnis ist eine perfekte Hommage an die zentralen Qualitäten der Musik des Kanadiers: authentisches Gefühl, Intelligenz und eine gewisse rebellische Störrigkeit. Die Musik und die Texte Youngs tragen bei all ihrer Einfachheit stets eine markante Handschrift und diese Handschrift bleibt auch bei Sisters Euclid spürbar. Die Gruppe überführt das musikalische Material gewissermaßen in ihre eigene Klangsprache. Diese ist geprägt von einem traumhaft sicheren Zusammenspiel und einem untrüglichen Gespür für die Essenz der Songs.

Kann ein rein instrumentales Neil Young-Tribute-Album überhaupt funktionieren? Es kann. Die Texte fehlen zwar, doch die Aussagen der Songs werden auf geradezu frappierende Art übersetzt in eine direkt korrespondierende Musiksprache zwischen Rockenergie, Folkmelodik und Jazzimprovisation. Man muss daher nicht unbedingt eine persönliche Beziehung zur Musik von Neil Young haben, um diese neuen Bearbeitungen von Sisters Euclid zu goutieren. Man kann Young jedoch entdecken, hört man was hier mit seinen Songs geschieht.

Schon der Auftakt ist bemerkenswert: Eine schwere Hammond B 3 spielt die Melodie von „Dixie“, der US-Südstaaten-Hymne. Eine wütende Slide-Gitarre setzt ein mit dem Refrain von „Southern Man“ – Young’s Anti-Rassismus-Epos aus den frühen Siebzigern. Schon in den ersten Minuten von Run, Neil, Run wird deutlich: hier ist mit dem Gitarristen Kevin Breit ein außergewöhnlich sensibler Instrumentalsolist am Werk mit einer ebenso sensibel agierenden Band. Breit hat einen perfekt kontrollierten, vokal anmutenden Slide-Sound von großer Dynamik entwickelt, nicht unähnlich dem von Ry Cooder. Melodiöse Anmut paart sich mit harscher Wucht, ohne jedoch die substanziellen Parameter der Songs aus dem Auge zu verlieren. Sisters Euclid „erspielen“ sich die Melodien und auch die Texte Youngs und fügen ihnen mit ihrer eigenen Ausdruckspalette eine neue Dimension hinzu. Politische Songs wie „Southern Man“ und „Ohio“ klingen auch hier politisch. Romantisch-verträumtes Material wie „Harvest Moon“ klingt auch hier romantisch. Ein dunkler Song wie „Needle and the Damage Done“ ist auch hier dunkel und verstörend. Und ein Klassiker wie „Heart Of Gold“ erhält neue Vitalität durch harmonische, melodische und rhythmische Dekonstruktion.

Als ob die verborgene Schichten dieser einfachen Melodien und schlichten Songstrukturen freigelegt werden und neue Bedeutungen entstehen. Diese Suche nach der Seele der Musik ist bei Sisters Euclid deutlich zu spüren. Es ist die gleiche Suche, die auch vielen der Originale ihren markanten Ausdruck und freiheitlichen Geist verleiht. Wie die besten Texte von Neil Young malen auch die Interpretationen von Sisters Euclid Bilder und die Schönheit dieser Bildsprache nimmt gefangen, denn hier musiziert eine perfekte Einheit von großer dynamischer Kraft. Die Rhythmusgruppe Ian deSouza (Bass) und Gary Taylor (Drums) spielt wie aus einem Gruß und vor allem Organist Rob Gusevs liefert mit seinem Spiel ein solides Fundament für die Slide-Exkursionen des Gitarristen Breit.

Kevin Breit spielte bislang vor allem für viele namhafte Sängerinnen live und im Studio: Cassandra Wilson, k.d lang; Holly Cole, Janis Ian, Norah Jones und viele mehr. Seit 1996 arbeiten Sisters Euclid zusammen und Run, Neil, Run ist das bislang wohl offensivste Projekt dieser Band. Dieser Band bei ihren Exkursionen in die Songwelten von Neil Young zu folgen ist pures Hörvergnügen. Seit 1996 gibt es diese Band und ihr Europadebut feierten sie beim Berliner Jazzfest 2004. Ein Muss nicht nur für Fans von Neil Young.