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Andy Statman
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T&M 033: 15.00 Euro
"Andy Statman: On Air" - 2005


Der 8. Mai 2003 war ein denkwürdiger Abend im Radio Bremen-Sendesaal. Das an diesem Frühlingsabend angesetzte Konzert mit Andy Statman und seinem Trio wurde zu einer eindrucksvollen Demonstration der Kunst eines Musikers, der heute nicht nur zu den interessantesten Vertretern der zeitgenössischen US-Klezmer-und Roots-Szene zählt. Der Klarinettist, Mandolinenspieler, Komponist und Improvisator aus Brooklyn, NY, überwindet Grenzen und baut Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dies ist sein lange überfälliges erstes Live-Album, denn besonders im Konzert bekommt das Spiel von Andy Statman eine besondere Intensität. Zur Seite standen ihm zwei bewährte Begleiter: Bassist Jim Whitney und Schlagzeuger Larry Eagle. „From Ukraine To Nashville“ – diese Überschrift wählte Andy Statman für sein Programm. Ein Indiz nicht nur für die unterschiedlichen Stilbereiche, die hier zusammenfinden, auch ein Indiz für die persönliche Reise dieses Künstlers von seinen Anfängen bis in die Gegenwart, vom Schüler des Mandolinenvirtuosen und „Jazzgrass“-Pioniers David Grisman bis zum modernen Exponenten einer orthodox geprägten jüdischen Musik mit großen Improvisationsanteilen.
 
Als Jugendlicher entdeckt der New Yorker Andy Statman auf Platten von Bluegrass-Pionier Bill Monroe den Klang der Mandoline. Er avanciert nach einer Lehrzeit bei David Grisman zu einem der angesehensten Vertreter der amerikanischen Bluegrass-Erneuerer und tritt hervor in Bands wie Country Cooking und Breakfast Special. In etwa gleichzeitig wird Andy Statman ein herausragender Klezmer-Klarinettist mit eigener Band und reüssiert auf vielen Gebieten: er spielt Folk mit Bob Dylan, Blues mit Dr. John , Swing mit Stephane Grappelli, Rock mit den Grateful Dead. Besonders wichtig werden persönliche Begegnungen mit Klezmer-Klarinettenlegende Dave Tarras. Dieser vermacht Statman seine Instrumente mit der Auflage, sie nicht traditionell einzusetzen, sondern auf ihnen „seine“ Musiksprache zu entwickeln. Die vier ausgedehnten Kompositionen und Improvisationen auf ON AIR stehen stellvertretend für diese persönliche Sprache des New Yorker Musikers - traditionelle jiddische Melodien aus der chassidischen Überlieferung stehen dabei neben amerikanischen Folk-Themen.
 
Improvisation/Reb Michel’s Niggun
 
Eine jahrhundertealte Melodie aus Osteuropa steht am Anfang des Albums. Sie belegt die tiefe Verankerung Statmans in der religiösen Weltanschauung des Chassidismus. Diese entstand Anfang des 18. Jahrhunderts in den jüdischen Gemeinden der Karpaten und lebt heute in vielen Gemeinden der USA weiter in Form einer „dem Leben zugewandten“ Religionspraxis. Der rabbinisch geprägten Gottesgelehrsamkeit wird persönliches Gefühl und Intuition gegenüberstellt. Individuelle Gemütswerte werden zu einer der religiösen Gesetzeslehre ebenbürtigen Qualität. Schon in der ausgedehnten Improvisation zu Beginn schlägt sich diese Maxime exemplarisch nieder. Die meditative Einleitung nimmt an Intensität allmählich zu, findet Rhythmus und Melodie, um gegen Ende zum kontemplativen Ausgangspunkt zurückzukehren.
 
East Virginia Blues
 
Auch die Mandoline hat eine lange Tradition in der jüdischen Musikpraxis. Zunächst vorwiegend ein Begleitinstrument zur hausmusikalischen Unterstützung von Solisten, später sogar - in Mandolinenorchestern - musikalisches Mittel für den sozialen Zusammenhalt der jüdischen Gemeinden. Eine alte Folk-Melodie aus den Appalachen trifft hier auf die zeitgenössische New Yorker Mentalität der drei Musiker. Die Gruppe erscheint gewissermaßen im Gewand eines akustischen Avantgarde-Blues-Trios. Bebop-Anklänge und Improvisation verschmelzen mühelos mit einer ländlichen amerikanischen Folkmelodie.
 
Cherokee Shuffle
 
Andy Statman eröffnet improvisatorisch auf seiner Mandoline. Eine amerikanische Fiddlemelodie aus dem 18. Jahrhundert erstrahlt im folgenden in neuem Glanz, eine Art freudig vibrierender Gegenpol zur dunklen Traurigkeit der jiddischen Vorlagen. Auch hier gilt und wirkt allerdings ein Ideal der traditionellen jiddischen Ästhetik: die Einheit von Musiker, Instrument und Thema.
 
Yiddisheh Chussid’l Tantz
 
Das zweite jiddische Traditional des Albums steht für den Einfluß, den Jazzgrößen wie John Coltrane oder Albert Ayler auf Statman bis heute ausüben. Eine weitere Grenzüberschreitung entsteht - vom klagenden Ausdruck des Themas hin zum Geist und zur explosiven Intensität von Jazzimprovisationen der sechziger Jahre. Musik als Ausdruck eines persönlichen spirituellen Weges. Die Vergangenheit dient lediglich als Ausgangspunkt für das Ausloten von persönlicher Emotionalität. Die vokalen Qualitäten synagogaler Gesänge rücken dabei eng an die Expressivität des modernen Jazz heran - mit einer Ausdruckspalette von Introspektion bis Ekstase.
 
Andy Statman präsentiert auf ON AIR eine weitere intensive Auseinandersetzung mit seiner eigenen jüdisch-amerikanischen Identität. Sein Ton, seine Phrasierungen und Ornamentierungen sind dabei purer individueller Ausdruck und seine Virtuosität wird zu keinem Zeitpunkt reiner Selbstzweck. Das Andy Statman Trio bringt mit dieser Musik eine frohe Botschaft: authentisch, lebendig, spirituell und voller Leidenschaft. Klezmer meets Folk meets Jazz. Eine spannende Entdeckungsreise aus dem Radio Bremen-Sendesaal.
 
Das Andy Statman Trio live ON AIR – die erste Veröffentlichung in einer neuen CD-Reihe mit herausragenden historischen und aktuellen Liveaufnahmen auf TRADITION & MODERNE.


























CD 1

1  

Improvisation/Reb Michel's Niggun  

14:39 anhören

2  

East Virginia Blues  

12:07 anhören

3  

Cherokee Shuffle  

13:56 anhören

4  

Yiddisheh Chussid'l Tantz  

11:02 anhören