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Mamadou Diabate
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T&M 029: 15.00 Euro
"Behmanka" - 2004


Kein anderes traditionelles Instrument symbolisiert die Musik der “Mande”-Kulturregion Westafrikas so sehr wie die Kora, die afrikanische Harfenlaute. Der glockenartige Klang ihrer meist einundzwanzig Saiten ist unverwechselbar, ihre eindrucksvolle Optik ebenso: Ein langer Hals bestehend aus einer Holzstange, befestigt in einem Resonanzkörper, der aus einer großen Kalebassenschale, einem Kürbis, besteht. Ein breiter Steg, der die beiden im rechten Winkel zueinander stehenden Gruppen von meist einundzwanzig Saiten hält. Die stolze Kora und ihr Klang symbolisiert wie kein anderes Instrument den Reichtum der traditionellen Musik Afrikas.

Mamadou Diabate aus Mali ist ein wahrer Meister der Kora und er trägt dazu einen verpflichtenden Namen: Sein Cousin Toumani Diabate ist der berühmteste Kora-Virtuose seiner Generation. Toumani machte das Instrument im Laufe seiner Karriere zu einem großen Soloinstrument, er spielt auf der Kora sowohl Melodie als auch Begleitung. Nun hat auch der seit 1996 in den USA lebende Mamadou Diabate ein Album mit Solostücken für die Kora aufgenommen, seine bislang zweite CD-Veröffentlichung. Die Musik auf BEHMANKA steht einerseits in der (Familien-) Tradition der Diabates, erfüllt sie andererseits aber auch mit neuem Leben und neuer Individualität. Das Resultat ist ein Album mit Musik für Kora solo, das nicht nur atmosphärisch von außergewöhnlicher Intensität ist. BEHMANKA bietet Musik, deren magische Aura auch einen Laien zum Zuhören verpflichtet.

Wie auch die anderen berühmten Koraspieler seiner Familie, ist Mamadou Diabate ein Djeli, ein Griot. Er steht am Ende einer langen Ahnenreihe professioneller Musiker, die seit Jahrhunderten unverzichtbarer Bestandteil der afrikanischen Kultur sind. Traditionell entweder Hof- oder Wandermusiker, wird ein Djeli in der hierarchisch strukturierten afrikanischen Gesellschaft in eine spezifische soziale Gruppe oder auch Kaste hineingeboren. Dort steht er neben Handwerkern, besitzt jedoch besondere Aufgaben und Beziehungen zu der führenden Kaste der “Noblen” und “Freigeborenen”. Jahrhundertelang hatte ein Djeli in der Regel einen königlichen Patron, einen adligen Gönner, in dessen Diensten er stand. Dabei war ein Djeli traditionell immer auch Träger und Überbringer wichtiger Informationen und hatte sowohl die Aufgabe, Loblieder auf die Herrschenden zu singen, als auch die Zeremonien gesellschaftlicher und familiärer Ereignisse musikalisch zu illustrieren.

Bis heute genießt ein Djeli hohen Respekt für seine musikalische Kunstfertigkeit, auch wenn sich seit der Kolonialzeit und dem Ende des Königreichs Mali im späten 15. Jahrhundert seine gesellschaftliche Funktion zunehmend auf eine journalistische und rituelle Ebene verlagert hat. Heute sind es oft Eheschließungen oder Taufen, die von Djelis musikalisch ausgestaltet werden. Auch für gesellschaftliche Würdenträger und Geschäftsleute kann ein Djeli arbeiten, er kann dazu Vermittler und Schlichter in zwischenmenschlichen Problemsituationen sein. Ein Djeli hütet sein geheimes Wissen und achtet auf seinen Status. Trotz der großen Anzahl von Lobliedern im traditionellen Repertoire eines Djeli zählt Unterwürfigkeit jedoch nicht zum erwünschten Fundus von Verhaltensweisen. Ein Djeli ist ein stolzer Musiker, der um die Bedeutung seiner Kunst weiß. Noch immer zählt die mündliche Überlieferung zu den entscheidenden Charakteristika kultureller Kommunikation und ein Djeli/Griot ist eine moralische Instanz, Hüter und Bewahrer gesellschaftlicher Praktiken und eines historischen Bewußtseins von der glorreichen Vergangenheit des Königreichs Mali, einer Vergangenheit, die bis ins dreizehnte Jahrhundert zurückreicht.

Ein Djeli wird in der Regel schon in frühen Jahren von der eigenen Familie musikalisch ausgebildet.. Dazu zählt das Erlernen eines Instrumentes und das Lernen traditioneller Liedtexte. Auch im Falle von Mamadou Diabate war es so. Er wurde 1975 in Kita geboren, einem kulturellen Zentrum der Mandingo in Mali. Auch Mamadou’s Vater Djelimory ist ein Kora-Spieler, man kennt ihn unter dem Namen N’fa Diabate. N’fa war Mitglied des Instrumental Ensemble of Mali, machte Aufnahmen für das Radio und er lebte in Bamako, der Heimat des Ensembles. Im Alter von vier Jahren wohnte Mamadou eine Zeitlang bei seinem Vater, hörte den Kora-Klang täglich und begriff schon als Kind, dass auch für ihn das Instrument schicksalhafte Bedeutung erlangen sollte.

Als Teenager begann Mamadou Diabate damit, öffentlich als Kora-Spieler in Erscheinung zu treten. Er reiste durch die heimatliche Region als Begleiter von Djeli-Sängern und spielte auf Hochzeiten und bei Taufen. Mit fünfzehn gewann er bei einem regionalen Wettbewerb einen Preis und wurde alsbald zu einer lokalen Berühmtheit. Eine Lehrzeit bei seinem Cousin Toumani in Bamako schloß sich an und Mamadou’s Auftritte wurden zunehmend prestigereicher. Er erhielt aufgrund seiner Körpergröße einen Spitznamen, der bis heute Gültigkeit hat: “Djelika Djan” – großer Djeli.

Im Jahr 1996 erhielt Mamadou Diabete die Möglichkeit, mit Mitgliedern des Instrumental Ensemble of Mali eine Tournee in den Vereinigten Staaten zu unternehmen. Er entschied sich, in den USA zu bleiben und lebt heute in Durham/North Carolina. Mamadou spielte in den renommiertesten Institutionen in den USA, von den United Nations bis hin zum Smithsonian Institute in Washington D.C. Er arbeitete mit Bluesmusikern wie Eric Bibb und Guy Davis, mit Jazzleuten wie Randy Weston oder Donald Byrd, mit Folk-und World Music-Künstlern wie der Irin Susan McKeown oder auch Angélique Kidjo aus Benin.

Einen Ratschlag seines Vaters beherzigte Mamadou Diabate besonders: sich stets alle guten Kora-Spieler anzuhören. Ein profundes Wissen um die Tradition ist noch heute das Fundament seiner Arbeit. Bei aller Innovation ist die “keita” Spielweise aus Mali die Grundlage seines Spiels geblieben – perkussiv und virtuos, improvisatorisch und magisch. Nicht ohne Grund heißt es in der afrikanischen Folklore, Kora-Spieler seien oft von Geistern besessen, besonders wenn sie viel bei Nacht spielten. Eine gewisse Parallele zur Mythenwelt des Blues, in der ein Musiker einen Pakt mit dem Teufel schließt, um den Blues spielen zu können.

“Tunga”/”Abenteuer” war der Titel des Debut-Albums von Mamadou Diabate, erschienen im Jahr 2000. Eine Ensemble-Arbeit mit vielen innovativen Elementen und ein gewisser Gegensatz zum puren Kora-Klang auf der aktuellen CD BEHMANKA. Aber auch diesmal werden unterschiedliche Traditionen und Spieltechniken zusammen gebracht. Mamadou Diabate ist ein Koraspieler, der ein Bein in der Vergangenheit und eines in der Gegenwart hat. Doch sein Blick und seine Kunst weisen klar und deutlich in die Zukunft. BEHMANKA präsentiert die Tiefe afrikanischer Musiktradition, gepaart mit dem Ausdruck und der Kraft eines zeitgenössischen Meistermusikers.

BEHMANKA von Mamadou Diabate – Musik für Solo-Kora auf TRADITION & MODERNE.

Mamadou Diabate über “BEHMANKA”

1. Touma
Der Augenblick. Alles im Leben hat seine Zeit.

2. Jamanadiera
Diesen Song brachte mir mein Vater N’fa Diabate bei. Ich habe ihn erweitert und spiele ihn jetzt in meinem eigenen Stil. Das Wort bedeutet sowohl „Gastfreundlichkeit“ als auch „schöne Stadt“.

3. Behmanka
Ich bin mit „Behmanka“ aufgewachsen. Mein Großvater spielte es auf der Ngoni und mein Vater spielte es auf der Kora. Es wird von Griots gespielt, um Alfa Yaya Jalloh zu ehren, den König der Region Futa Jallon in Guinea. Ich mische der traditionellen Melodie bei dieser Aufnahme einige eigene kreative Variationen bei.

4. Koraboloba
Die „große Hand der Kora“. Die traditionelle Version dieses Stückes heißt „Kuruntu Kelefa“. Sie ehrt zwei Könige von Gabu, Sanneh und Manneh. Ich benutze die Basslinie des Originals als Grundlage und setze ganz eigene Melodien und Soli darüber.

5. Kita Baro
In Kita bin ich geboren und Baro soll die sozialen Aktivitäten unserer Gemeinschaft wieder ins Gedächtnis zurückrufen: zusammenzukommen, gemeinschaftlich zu reden, zu musizieren, zu tanzen und die Gesellschaft des anderen zu genießen. Griots glauben daran, dass die Eröffnung einer traditionellen Zeremonie mit diesem Stück Glück bringt.

6. Jarrabeekele
Meine Geliebte. Wenn man nach einer Liebe Ausschau hält, sollten sich Männer und Frauen jemanden suchen, der gut zu ihnen passt.

7. Sansenefoly
Das Stück ehrt die großen Farmer, feiert die Produktivität ihrer Arbeit und ihren wichtigen Beitrag zur Gesellschaft. Mein Vater war der erste Kora-Spieler, der „Sansenefoly“ in den sechziger Jahren für das nationale Radio aufnahm. Ich verwende bei dieser Aufnahme den traditionellen Stil.

8. Djimbaseh
Ich erlaube mir bei diesem lebhaften Tanz einige kreative Freiheiten. Er ist aus Cassamance im Senegal nach Mali gebracht worden und wurde vom „Sabar“, dem typischen Tanz des Senegal, beeinflusst.