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"Lets Play" - 2003

"LET’S PLAY" — das klingt nach Entschlossenheit und Spielfreude und es sind natürlich Eigenschaften, an denen es den drei Mitgliedern von Tri-Continental auch für ihr neues Studioalbum keinesfalls mangelte. Zum dritten Mal heißt es bereits "Vorhang auf" für Madagascar Slim, Bill Bourne und Lester Quitzau, denn es ist nach ihrem überragenden Debut-Album und dem Live-Doppelalbum aus dem Herbst 2001 bereits die dritte Veröffentlichung des Trios für TRADITION & MODERNE und die Tatsache, daß "LET’S PLAY" an einigen Sommertagen des Jahres 2002 in Bremen produziert wurde, lädt fast zu einer Modifizierung des Wortspiels auf "Four-Continental" ein - denn besonders hierzulande trifft die Musik dieses Trios auf Beifall und offene Ohren. Doch die musikalischen Eckpfeiler des Sounds dieser kanadischen Formation bestehen nachwievor aus den drei Säulen Afrika, Nordamerika und United Kingdom — die musikalischen Grenzen sind allerdings fließend und die persönlichen Beeinflussungen wechselseitig.

Das Personal:
Madagaskar Slim: Ben Randriamananjara ist Jahrgang 1956 und kommt aus Madagaskar. Er ist ein Grenzgänger zwischen der hochkomplexen akustischen Musik seiner Heimat, wie sie auch der Gitarrist D’Gary verkörpert, und elektrischem Blues der Marke Albert King, Freddie King und Jimi Hendrix. Malegassy roots music meets modern blues — im Falle von Slim ist das eine aufregende Fusion, die bereits mit einem kanadischen JUNO-Award für das Solo-Album "Omnisource" ausgezeichnet wurde.

Bill Bourne: der Mann mit dem Zylinder ist Jahrgang 1954 und steht im Trio-Verbund für die nordamerikanische Songwriter-Abteilung sowie die keltisch inspirierte Folktradition. Auch Bourne hat Solo-Alben aufgenommen und auch er erhielt einen JUNO für sein Album "Sally’s Dream" von 1999. Bourne ist nicht nur ein markanter Sänger und exzellenter akustischer Gitarrist, auch eine charismatische Bühnenpräsenz zeichnet ihn aus. Er ist ein Roots-Künstler durch und durch und sein Personalstil weist neben Folk- auch Country- und Bluegrass-Einflüsse auf ohne jemals in biederes Traditionalistentum zu verfallen.

Lester Quitzau: der kanadische Bluesmann aus Edmonton (Jahrgang 1964) ist einer der einfühlsamsten und intensivsten Slide-Spieler überhaupt und hat ebenso seine JUNO-Nominierungen aufzuweisen. Seine Bluesauffassung orientiert sich an den Countryblues-Wurzeln von Son House genauso wie an der Soundästhetik eines Jazz-Modernisten wie Bill Frisell. Quitzau hat sozusagen ein Bein im Lager von Mississippi Fred McDowell und das zweite steht im Territorium von Jimi Hendrix. Das macht ihn nicht nur zu einem aufgeschlossenen, sondern auch zu einem wegweisenden Musiker für zukünftige Blues-Adepten.

Ein neues Element auch in persönlicher Hinsicht findet sich auf "LET’S PLAY" in Gestalt des indischen Perkussionisten Ramesh Shotham. Der indische Musiker mit Wohnsitz Köln sorgt hier für eine hörbare Weiterentwicklung des perkussiven Elements im Sound von Tri-Continental und bringt neue Klangfarben ein, die den Groove der Gruppe verstärken und Shotham wieder einmal als einen der besten seines Faches ausweisen. Karnataka College of Percussion, Dissidenten, Embryo, Carla Bley, Rabi Abou-Khalil — das sind nur einige Namen aus Ramesh Shotham’s bisheriger musikalischer Biographie.

Die Songs:
Demokratisch ausgewogen wie das Verhältnis innerhalb der Gruppe ist auch der Anteil der Song-Credits. Jeweils drei Songs haben Slim, Bourne und Quitzau für "LET’S PLAY" beigesteuert. Dazu ein Cover des Lennon/McCartney-Klassikers "With A Little Help From My Friends", das gewissermaßen den brüderlichen Geist dieser Musik noch einmal auf einen Nenner bringt.

Hilalao — Let’s Play (Madagascar Slim)
Der Titelsong des Albums aus der Feder von Madagascar Slim steht für die rhythmische Komplexität der madegassischen Musik und ist ein schönes Beispiel für die Kraft des Harmoniegesangs von Slim, Bourne und Quitzau. Die Vokalperkussion von Ramesh Shotham setzt ihn gleich im ersten Stück des Albums eindrucksvoll in Szene. (Und wo ist die "1"? Es darf mitgezählt werden....)

Here And Gone (Lester Quitzau)

Quitzau begibt sich in seinem ersten Song-Beitrag auf die spirituelle Seite "seines" Blues mit Anklängen an die alten Meister der Genres Countryblues, Folkblues und Gospel. Eine mystische Stimmung zwischen Diesseits und Jenseits durchweht den Song, mit einem folkloristischen Mittelteil, der direkt aus Afrika zu kommen scheint.

Looking For Love (Bill Bourne)
Flamenco-Anklänge gemischt mit "Salegy"-Licks im 6/8-Takt — ein Beispiel für den immer anderen Stilmix im TriC-Sound. Ein Song von Bourne, der ihn zumindest textlich als eine Art zeitgemäßer Hippie auszuweisen scheint. Ein hypnotisches Vokal-Duett zwischen Slim und Bourne.

Kapoy (Madagscar Slim)
Madagascar Slim ist auf "LET’S PLAY" vorwiegend auf einer elektrisch verstärkten akustischen Nylonsaiten-Gitarre zu hören, was eine größere Dichte im akustischen Sound von Tri-Continental zur Folge hat, wie in diesem zweiten "Salegy"-Song des Album gut zu hören ist, wieder ausgestattet mit einigen rhythmischen Spitzfindigkeiten der subtilen Art.

With A Little Help From My Friends (Lennon/McCartney)
Wer würde ihn nicht kennen, den zweiten Song des "Sgt. Pepper"-Albums der Beatles, später von Joe Cocker so nachdrücklich zu einer großen Hymne der Rock-Ära gemacht. Hier wird der Song von allem Bombast befreit, und mit einem Jefferson Airplane-Zitat wird dem melodisch so reizvollen Lennon/McCartney-Titel etwas von seinem Charme und der ursprünglichen "Summer of Love"-Unschuld zurückgegeben. Es sollte ja eigentlich nur der "Ringo-Song" für das Beatles-Album sein...

Keep On Walking (Lester Quitzau)
Das zweite Blues-Statement von Quitzau — diesmal zum Thema Verlust und Entschlossenheit. Das Weitermachen als Ziel, gewissermaßen. "Walking your blues" — immer noch ein probates Mittel um den Unbilden des Lebens und dem Kummer zu trotzen. Quitzau hier als Dobro-Experte und wieder mit gänsehautträchtigen Harmoniestimmen im Rücken.

Little Green Men (Bill Bourne)
Bourne in der Rolle, die ihm am meisten gefällt — der des Geschichtenerzählers und Troubadours. Wie war das noch gleich mit den kleinen grünen Männchen? Slim hier mit einer "außerirdischen" elektrischen Gitarre...

Miss Mae (Lester Quitzau)
Ein Song über das Thema Sehnsucht und Verlangen. Miss Mae ist hier das Objekt von Quitzau’s Begierde. Folkblues mit einigen harmonisch/melodischen Extras — ein typischer stilistischer Grenzgang der Marke Tri-Continental.

Andeha (Madagascar Slim)
Auch der dritte Song aus dem Hause "Slim" hat einen starken und gleichzeitig lieblichen Groove auf dem sich das harmonische Gitarrenarrangement wie ein weicher Teppich ausrollt und das die Stimmen der Sänger weich bettet. Ein gutes Beispiel für die improvisatorische Seite der Gruppe.

Tibetian Rose (Bill Bourne)
Dieses mystisches Bourne-Instrumental setzt einen stimmungsvollen Schlußpunkt und entführt den Hörer in exotische Gefilde von großem klanglichen Reiz. Zugleich verstärkt sich der Eindruck, dass es immer der Blues ist, der die Seele von Tri-Continental ausmacht. Trotz aller stilistischen Wechselspiele speist sich ein solches Klanggeflecht aus diesem universellen Bluesgefühl. Es durchzieht die Musik wie ein Fluß, egal aus wessen Feder der jeweilige Song auch stammt.