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Jo Ann Kelly
CDs
Presse
T&M 110: 15.00 Euro
"women in (e)motion: Jo Ann Kelly" - 1995

1.Where My Good Man At
2. Moon´s Going Down
3. Death Have Mercy
4.Weekend Blues
5. 2:19 Blues
6. Ain´t Nothin´in Ramblin
7. Jonah In The Belly Of the Whale
8. Come See About Me
9. Try Me One More Time
10. Sugar Babe
11. Bollweevil Blues
12. Love Blind
13. Wide Open Road
14. God Bless The Child
15. Black Rat Swing
16. Boney Maroney


Für Blueskenner und -fans hatte sie blaues Blut. Jo Ann Kelly war, darin herrschte allseits Einigkeit, die britische "Queen of the Blues". Diesen ehrenvollen Titel hätte sie stolz vor sich hertragen können. Doch der freundlichen Engländerin mit dem unprätentiösen Auftreten lag jeder Anflug von Selbstgefälligkeit fern. Auch großspurige Promotion in eigener Sache entsprach nicht ihrer Art. Wahrscheinlich trug diese Bescheidenheit dazu bei, daß Jo Ann Kelly nicht zum Star aufstieg, sondern vor allem in Insiderkreisen Ansehen genoß. Ihre fast dreißgjährige Karriere ist nur sporadisch auf Platte dokumentiert - einer Queen ihres Talents alles andere als würdig. Als Jo Ann Kelly am 21. Oktober 1990 im Alter von 46 Jahren nach einem tragischen Krankheitsverlauf starb, wurden ihre Leistungen und ihr Können in zahlreichen Pressenachrufen gerühmt. Posthume Anerkennung, die ihr in dieser Form viel früher gebührt hätte.

Jo Ann Kelly war als leidenschaftliche Blueskünstlerin immer auch Fan. Ihre Liebe und Verehrung galt speziell den frühen authentischen Größen des Country Blues: Charley Patton, Robert Johnson, Son House - und, allen voran, Memphis Minnie, deren Gesang und deren Songs ihr den Weg wiesen. Die grandiose Memphis Minnie lernte das Mädchen aus Streatham, Südlondon, durch einen jungen gitarrespielenden Burschen namens Tony McPhee kennen, Bluesfanatiker wie sie und ihr jüngere Bruder Dave. Man traf sich in einem Schallplattenladen in Streatham, der Importplatten aus Amerika führte. Mit 14 Jahren hatte sich Jo Ann für den Rock´n´roll eines Little Richard begeistert. Zu den ersten Gitarrenakkorden, die Bruder Dave ihr beigebracht hatte, sang sie Stücke der Everly Brothers. Die aufblühende Skiffle-Szene, angeführt von Lonnie Donegan, riß auch Jo Ann mit. Aber zu alles überragenden Einfluß wurde die Begegnung mit dem Delta-Blues.

1962 tat sich Jo Ann Kelly mit Pianist Bob Hall zusammen. Schon damals beeindruckte sie Clubbesucher und Musikerkollegen mit ihrer druckvollen, durchdringenden, vor Intensität vibrierenden Stimme. Ihr unverwechselbarer Gesang gab den amerikanischen Bluesklassikern, ob von Memphis Minnie, Bessie Smith oder Rosetta Tharpe, eine eigene Prägung. Nach und nach entwickelte sich Jo Ann Kelly zu einer Attraktion der Clubs, der College- und Universitätsbühnen, und zur führenden Frau der British-Blues-Bewegung - die nebenbie mit den Yardbirds jammte und hier und da Aufnahmen mit diversen Gleichgesinnten machte, darunter eine Platte mit dem späteren Groundhogs-Kopf Tony McPhee.

Daß die Welt des populär werdenden Bluesrock zunächst nicht unbedingt die ihre war, zeigte sich als Jo Ann Kellys Karriere mit dem ersten Soloalbum 196971970 einen kommerziellen Höhepunkt erreichte. Das Angebot bei Canned Heat einzusteigen, lehnte sie ebenso ab wie sie die Chance ausschlug, nach Veröffentlichung ihres Albums in den USA mit Johnny Winter auf Tournee zu gehen. Winter war beim Memphis blues Festival auf die Engländerin aufmerksam geworden, die in dieser zeit mehrfach das Mutterland des Blues bereiste. In den Siebzigern strebte Jo Ann Kelly - parallel zu regelmäßigen Solo- und Duo-Tourneen, die sie quer durch Europa führten - mit Pubrock- und Sessionbands wie Spare Rib, Tramp und Chilli Willi in verschiedene Richtungen, öffnete sich für Country, Rock und Soul, doch im Kern blieb sie dem Blues treu. 1979 war sie an der Konstituierung der Blues Band - mit Dave Kelly an der Gitarre - beteiligt. Mit ihrem Duo-Partner und Lebensgefährten Pete Emery, vormals in der John Dummer Blues Band, und mit Pianist Mike Deacon gründete sie das Projekt "Ladies And The Blues", eine stilvolle Hommage-Show an die großen Frauen - und einige Männer - des Blues, darunter selbstverständlich Memphis Minnie.

Der Geist der legendären Bluessängerin war auch allgegenwärtig, als Jo Ann Kelly beim women in (e)motion-Festival 1988 im Doppelkonzert mit Rory Block auftrat. Wenige Wochen nach diesem Engagement zeigte Jo Ann Kelly plötzlich Symptome einer schweren Erkrankung: eines Gehirmtumors, der operativ entfernt wurde. Vorübergehend schien sie genesen. Sie gab Konzerte in gewohnter Klasse. Ihren letzten Auftritt bestritt sie zum Abschluß einer längeren Tournee Anfang September 1990 mit ihrem Bruder Dave. Eine gemeinsame Platte war in Planung. Jo Ann Kellys früher, unerwarteter Tod war ein immenser Verlust für die Blueswelt. Die Veröffentlichung dieses Live-Mitschnitts soll nicht zuletzt dazu beitragen, das Andenken an diese großartige Persönlichkeit zu bewahren, die den Blues mit so viel individuellem Können, Respekt und Menschlichkeit repräsentierte.