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Hilde Kappes
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Presse
T&M 012: 15.00 Euro
"Landscapes of a Voice" - 1998

Es gibt Stimmen, die klingen wie Straßenschluchten. Andere wie ein Bahndamm oder eine Allee. Wieder andere tragen einen dicken Wulst, wie die zwiebligen Türme einer bayrischen Kirche. Manche klingen wie eine Steppe, wie ein ausgehöhlter Urwald, eine hallweite Pagode. Die Welt ist groß.

Hilde Kappes singt. Sie singt all das "wie", vom Opernhaus über die Varietèbühne bis zum Schrottplatz, von Wien über New York bis in die Mongolei, und sie begleitet sich selbst dabei auf dem Klavier und ungebräuchlicheren Instrumenten, einer Wasserflasche, einem Abflußrohr, anderen Fundstücken. Mit Wonne spielt sie mit den Assoziationen und Klieschees, flirtet mit der Leichtfertigkeit der Parodie und der Schadenfreude des Wiedererkennens von vertrauten Geräuschen, um schließlich in ihre ureigene, einsame Straße einzubiegen. Hilde Kappes ist eine aufsehenerregend virtuose Sängerin in verschiedenen Zungen. Als würde sie die verschiedenen Singtechniken aufsaugen, erweitert sie ständig ihr Stilspektrum. Einen angemessenen Vergleich gibt es nicht.

Man muß sie vorstellen: Geboren 1964 an der Mosel, als Kind im Kirchenchor gesungen und mit dem Klavierspielen angefangen, später in Wien Rhythmik studiert. Auftritte mit Liederprogrammen und in verschiedenen Jazz- und Improvisationsgruppen. Erste Erfolge Anfang der 90er Jahre in Berlin mit einem Soloprogramm, das alle Zuordnungen und Schubladen sprengt, 1994 erschien ihre erste CD. Im Frühjahr 1998 die zweite, diese.

Seit Hilde Kappes auf eigenen musikalischen Pfaden wandelt, bedient sie sich einer selbstentworfenen Kunstsprache, um ihren Songs einen geographischen Ort zu geben, ohne sie unter die emotionale Knute der Eindeutigkeit realer Worte zu zwingen. Ihr "Schortuanisch" ist flexibel, es kann klingen wie wechselnde Sprachen, wie das Französisch der Chansons, das Chinesisch der Oper, oder das Russisch der Musicals, es kann aber auch einen ganz anderen Charakter annehmen. Neuerdings benutzt sie eine weitere imaginäre Sprache, das weiche, runde "Gelaganisch", das sie zu hymnischen Liedern anreizt. Wichtig an diesen Kunstsprachen ist, daß der Klang ihrer Lautpoesie sich mit dem Wie ihres Gesanges zu einer stimmigen Botschaft verbündet. Das ist wiederum die Sache der Sängerin, die sich auf "Landscapes Of A Voice" die Zeit nimmt, Stimmungen aufzubauen und auszuspielen, die feingliedrige, undramatische Landschaftsbilder malt von sanften Hügellandschaften, vom leichten Wiegen der Halme, von einer weiten Welt voller fließender Kontraste. Ein gesangliches Weltenpanorama in 20 Einzelbildern.